Wortkunst unterm Kirchturm

Bei dieser Ausstellung bin ich zusammen mit dem Künstler Norbert Gerstenberger vertreten! Texte, die ich zu seinen Blättern geschrieben habe, hat er typographisch gesetzt. Drei unserer Textbilder werden gezeigt  – ein Vorgeschmack auf unserem Bildband “Weißes Feuer”, für den wir einen Verlag suchen.

Vernissage:        Fr, 10. Juli 2015, ab 18h

Ort:                        Villa an der Schwabach, Hindenburg 46a, 91054 Erlangen

Ausstellung:       10. Juli bis 17. Oktober 2015       (während der Bürozeiten)

Veranstalter:       BildungEvangelisch

 

Herzliche Einladung!

Gibt es Hoffnung?

 

Den blauen Planeten von oben sehen, auf Wege von Flüchtlingen zoomen.

Aus Zentralafrika brechen Menschen auf, um Europa zu erreichen. Bevor sie sich aufmachen, wissen sie wenig von Europa – es scheint ein Paradies zu sein, in dem es nur Reiche gibt. Reiche, die als Touristen Afrika besuchen.

Miriam Faßbender hat in ihrem Film „Fremd“ dokumentiert, wie es ist, unterwegs zur Festung Europa zu sein. Nehmen wir einen jungen Mann aus Mali, Anfang zwanzig, dessen Vater vor kurzem gestorben ist. Er ist der älteste von sieben Geschwistern und hat keinerlei Chancen, in Mali Arbeit zu finden. Seine Mutter beschließt, die Rinder zu verkaufen, von denen die Familie bisher gelebt hat und ihren Ältesten nach Europa zu schicken. Mit dem gesamten Erlös von 1500 Euro verlässt der junge Malier seine Familie. Illegal muss er die verschiedenen innerafrikanischen Grenzen überschreiten, sich in jedem Land irgendwie über Wasser halten. Er begegnet anderen Flüchtlingen, er trifft Schleuser, die er benötigt, um voran zu kommen. Bevor er nach Marokko gelangt, ist seine gesamte Barschaft aufgebraucht. Er verdingt sich bei Bauern, träumt davon, die Felder in Mali ähnlich bewässern zu können. Am liebsten würde er umkehren, auch weil er inzwischen erfahren hat, dass Europa die Afrikaner nicht mit offenen Armen aufnimmt. Er weiß nun auch von den Gefahren, im Mittelmeer zu ertrinken. Aber er darf die Erwartungen seiner Familie nicht enttäuschen, zumal er kein Geld mehr hat. Überwältigt ihn hin und wieder die Sehnsucht und er nimmt telefonischen Kontakt zu seiner Mutter auf, fürchtet er sich vor der schrecklichen, vor der unausweichlichen Frage nach dem ausbleibenden Geld für die Familie! Er muss weiter. Er muss genug Geld verdienen, um auf eines dieser Boote zu gelangen. Andere Flüchtlinge, denen er begegnet, sind schon seit fünf Jahren unterwegs, haben es bereits einmal nach Lampedusa geschafft, wurden wieder nach Marokko abgeschoben, haben Angehörige, die im blauen Grab ertrunken sind…

 

Die Kamera zoomt auf Syrien, zerbombte Städte, Aussichtslosigkeit, die sich bei den Überlebenden breit macht. Oft wagen es zuerst die Männer, die jungen oder die Familienväter. Sie setzen auf Asyl in Europa, lassen Frau und Kinder zurück, um sie möglichst bald nachzuholen. Viele sind gebildet, sind Lehrer, Ingenieure, Büroangestellte und bereiten sich gut vor. Ins Gepäck kommen ein wenig Kleidung, das Smartphone mit den wichtigsten Kontaktdaten und Fotos von den Lieben zuhause, Bargeld und der kleine Gebetsteppich. Sie schaffen es schneller, bezahlen die richtigen Schleuser, gelangen nach Europa, ins Land ihrer Hoffnung. Nein, es ist kein Land, dieses Europa, es besteht aus einzelnen Ländern, die Deutschland, Schweden, Niederlande heißen.

Die Syrer wollen dorthin, wo bereits Familienangehörige oder Freunde leben, nach Berlin oder Mannheim oder Stockholm. Nun gilt es, auf europäischem Boden, weiter nach Norden zu gelangen, nicht in Griechenland oder Italien zu bleiben, zudem will man sie dort nicht. Wie gerade die Wege günstig sind, spricht sich herum: etwa, die grüne Grenze zwischen Kosovo und Ungarn.

Ein Syrer, nennen wir ihn Rafik, schafft es. Doch die Freude, dass er diese Hürde genommen hat, währt nur kurz. Er wird im ungarischen Szeged aufgegriffen, wie ein Schwerkrimineller behandelt. Den Polizisten sind die Flüchtlinge lästig, die europäischen Menschenrechte ähnlich weit entfernt wie Brüssel: Rafik muss die Hände im Rücken verschränken, dann bindet man sie mit schmalen Plastikgurten fest, die in größerer Stückzahl verfügbar sind als Handschellen. Rafik wird in eine Zelle geschubst, in die Ungewissheit. Als Rafik nach zwei Tagen die Zelle verlassen darf, ein wenig Eintopf vorgesetzt bekommt, ist er überrascht, dass er sein Gepäck zurück erhält. Es geht wieder in die Freiheit, in einen Bus nach Belgrad. Im Bus stellt er fest, dass aus seiner Reisetasche das Smartphone fehlt und damit die Fotos, die Telefonnummern… Rafik weint. Jetzt hat er alles verloren.

Irgendwie kommt er nach Nürnberg. Im Erstaufnahmelager trifft er zufällig einen früheren Nachbarn. Beide fallen sich in die Arme, können ihr Glück kaum fassen.

Inzwischen erfährt Rafik genauer, was Dublin 3 bedeutet; bisher wusste er nur, dass er keiner Behörde sagen darf, wo er zuerst einen Fuß auf europäischen Boden gesetzt hat. Jetzt hört er, dass er nach Ungarn rück abgeschoben werden kann, weil er dort seine Fingerabdrücke lassen musste. In Rafik kriecht die Angst hoch: werden sie in dort wieder ins Gefängnis sperren, vielleicht wochen- oder monatelang? Werden sie ihn von Ungarn nach Syrien zurück schicken? Welche Zukunft wartet in Ungarn auf ihn, in dem Land, in dem er keine Freunde hat? Der Sachbearbeiter, bei dem Rafik seinen Asylantrag abgibt, hofft mit ihm, dass er in Deutschland bleiben kann. Er informiert Rafik, dass man die Entscheidung des Richters abwarten muss.

Während Rafik eine Aufenthaltserlaubnis für sechs Monate zugestellt wird, erhalten andere Syrer bereits die ersehnte Zusage, drei Jahre in Deutschland bleiben zu können. Auch sie haben in irgendeinem südeuropäischen Land Europa betreten. Aber sie hatten das Glück, dass es darüber keinen Nachweis gibt.

Rafik und andere Flüchtlinge beginnen Deutsch zu lernen, einfache Worte wie bitte, danke, haben, gehen. Schwierigere Wörter bringen sie von der Flüchtlingsberatung mit: Aufenthaltstitel, Bescheid, Familienzusammenführung.

Rafik versucht, nach vorne zu schauen. Den Verlust seines Smartphones  und seines Gebetsteppichs hat er verschmerzt, aber wie soll er mit dieser Unsicherheit leben? Wie seinen Familienangehörigen in Syrien begreifbar machen, warum sie immer noch nicht nachreisen dürfen?

Manchmal, wenn er wieder nicht schlafen kann, geht er auch nachts an seinen Briefkasten, sperrt auf und schaut nach, ob der Bescheid endlich da ist.

Kulinarische Mittagslesung

- am Donnerstag, 26. 3. 2015, 12h30 – 13h

-im Café am Park, Moststraße in Fürth – am Rand der Adenaueranlage

-Thema “öffentlich unterwegs”

In Geschichten vom Bahn- und Busfahren möchte ich in dieser halbe Stunde meine Zuhörer mitnehmen. Dabei wird es nicht nur um verpasste Anschlüsse gehen, sondern um das Abenteuer “Reisen” in verschiedenen Lebenssituationen.

Schreibwettbewerb “arme reiche Familie”

Das Fürther Stadttheater hat die Auswahl getroffen: am 23.1.15 lasen die Autoren, die als die bestern ausgewählt wurden, ihre Texte im Nachtschwärmerfoyer des Theaters vor. Ich freue mich sehr, dass ich mit meinem Beitrag (zum zweiten Mal in Folge) dabei sein durfte:

 

Menschheit Anfang 2015

in meiner großen Familie

leben sieben Milliarden Menschen

große kleine dicke dünne

junge alte neugeborene sterbende

Kinder barfuß zur Schule

auf Müllbergen in Fabriken

als Soldaten und Prostituierte unterwegs

in meiner Menschheitsfamilie

wohnen sie alle

die dunkelhäutigen die hellhäutigen

die gutaussehenden die entstellten

in Palästen Hütten Lofts Reihenhäusern

in Käfigen auf Booten in Höhlen

Zelten Slums Favelas in

Ruinen und auf der Flucht

der Armut den Bomben und dem blauen Grab

versuchen zu entkommen

mit dem Rest an Kraft Geld Hoffnung

viele wissen nicht wie behindert

wir Reichen sind

kaltgesotten angstbesessen

besitzgesteuert taubgesättigt

 

in meiner großen Familie

mit ihrer Vielfalt an Religionen

Begabungen Möglichkeiten Kulturen

sitzen wir an langen Tafeln

die sich biegen vor Speisen

wir sitzen auf der Erde

kauen wo nichts ist

wir sprechen unzählige Sprachen

sogar die des Herzens

aber auch die der Gier

wir spitzen die Schere zu

driften auseinander

enger verbunden denn je

wir Mütter Väter Kinder

Großväter Großmütter

gleichgeschlechtliche Partner

Einsame und Partygänger

 

die meisten meiner gigantischen Familie

kenne ich nicht viele will ich nicht kennen

die Mörder Terroristen Fanatiker

Fundamentalisten Mafiosi Kinderausbeuter

die Machtgierigen Geldbesessenen nicht

hinschauen nicht hinschauen

all die Gräuel meiner

Brüder Schwestern nicht sehen

 

 

ich kenne sie nicht

ich erkenne sie alle

am Lachen ihrer Münder

am Weinen ihrer Körper

am Singen Tanzen Dichten Erzählen Malen

erkenne ich sie

an der Panik in weitaufgerissenen Augen

an ihren Regenbogenfahnen

am Sorgen für Säuglinge Kranke Alte

am Staunen Beten Debattieren

ach ihr

meine arme reiche Familie

 

 

 

Kulinarische Mittagslesungen

Am Donnerstag, dem 18. 9. 14 darf ich zu meiner Lesung von 12h30 bis 13h ins Fürther Parkcafé in der Moststrasse (direkt an der Adenauer-Anlage) einladen.                                           Ich freue mich sehr darauf in diesem familären Rahmen mit einer “Sommer-Nachlese” den Herbst noch etwas weg zu schieben!

“Fremd”

Wer die Gelegenheit hat, den Dokumentarfilm “Fremd” der Regisseurin Miriam Fassbender zu sehen, sollte das tun. Allerdings könnte eine unruhige Nacht folgen, denn die Eindrücke von den Lebensumständen der jungen Zentralafrikaner, die ins “Paradies” Europa flüchten wollen sind bedrückend. Drei bis fünf Jahre unterwegs zu sein, ständig in Gefahr von der Polizei abgeschoben zu werden, fast verhungert. Das gesamte Geld bekommen die Schlepper, während die Familien zuhause nur darauf warten, endlich von ihrem Familienmitglied finanzielle Unterstützung aus Europa zu bekommen. Längst wissen die Flüchtlinge, wie der junge Malier im Film, dass sie auf einem Boot sterben können und Europa sie nicht mit offenen Armen aufnimmt. Doch ein Zurück gibt es nicht. Der Albtraum Flucht geht weiter, während wir Kinobesucher tief betroffen in unser luxuriöses Umfeld zurück kehren.

Frühsommernachmittag oder Rasenmähersymphonie in drei Sätzen

 

Während sich die Frauen zu einer Besprechung auf der Terrasse treffen, beginnt das Rasenmäherorchester sein Spiel. In Kaffeetassengeklapper und Dichterinnenworte bricht das Heimwerkerkonzert, steigert sich in stetem Crescendo bis ein erstes Fortissimo erklingt. Ergriffen lauschen die Zuhörerinnen wie die Lautstärke nach dem Wendepunkt am Zaun zurückgenommen wird und zum Mezzoforte hinab schwingt.

Im zweiten Satz erfüllt der Gleichtakt der Schneidemesser die Luft, getragen von sanftem Brummen der Automotoren im Hintergrund. Welch ungewöhnliche Komposition! Als Kontrapunkt jault eine Kreissäge, die Dynamik des Musikstücks steigert sich – Staunen erfasst das Publikum.

Fast unmerklich hebt der dritte Satz an. Ein Benzinrasenmäher besticht mit asynchronen Klängen, die ihn aus anfänglicher Atonalität herausführen. Jetzt spricht die Symphonie alle Sinne an: in den Gründuft des Grasschnitts mischt sich der Geruch von Benzin. Allerdings bleibt wenig Zeit, diesem olfaktorischen Erlebnis nachzuspüren. Mit der Intensität eines Rüttlers streben die Instrumente dem orgiastischen Höhepunkt zu.

Weder folgen der zu erwartende donnernde Applaus noch ein Augenblick respektvoller Stille. Stattdessen antworten – eine Sonderform des da capo – Rasenmähersolisten aus entfernten Gärten des gesamten Ortes. Bis in die Dämmerung beglückt vielfältiges Echo die Zuhörerschaft.

Längst haben die Frauen beschlossen, ihre Gartenlesung ausschließlich an einem Sonntag zu veranstalten.

 

 



Rosenblatt und Nachtschatten – Lesung aus der Provinz

Rosenblatt und Nachtschatten – Lesung aus der Provinz

Eschenart lädt, am Sonntag, den 20.07.2014, zu einer Gartenlesung ein.
Wenn sich der Sommer in Richtung Höhepunkt bewegt, bietet sich der
Garten von Heike Liedtke als Oase an. Natur und Kunst geben sich ein
Stelldichein. Der passende Rahmen für drei Autorinnen, die mit eigenen
Texten erfreuen wollen, umrahmt von Harfe und Gesang.

Heike Liedtke schreibt in Eschenau und sogar auf ihrem Fahrrad. Brigitte
Rauh schreibt seit sie einen Stift halten kann, derzeit in
Unterlindelbach. Ruth Lenz-Tichai schreibt auf jedem Papierformat, aber
auch auf ihrem Laptop in Fürth.
Musikalische Umrahmung: Petra Zeilinger

Wir freuen uns Sie begrüßen zu dürfen
Sonntag, den 20.07.2014 um 11h
Kleingeschaidter Str. 13, 90542 Eckental, Ortsteil Eschenau

Bei unsicherer Wetterlage bitte nachfragen bei Ruth Lenz-Tichai, mobil  0178 1806870

Seniorita

Wie wäre es mit einem neuen Sprachgebrauch? Anstatt wie bisher alle älteren Menschen bei uns mit dem Begriff Senioren zu belegen, schlage ich eine charmante weibliche Form vor:

die SENIORITA gehört als Jungmitglied zur Generation 60 plus!

Ab wann ihr “Seniorita” zu jugendlich erscheint und sie sich selbst als SENIORA bezeichnen möchte, bleibt natürlich ihr überlassen.